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Verborgene Weisheit - Zum Tod von Dietrich Koller

Montag, den 22. November 2010 um 18:27 Uhr | Geschrieben von: Andreas Ebert |

Es gibt Men­schen, deren Bedeu­tung erschließt sich nur wenigen - oder erst nach ihrem Tod, weil sie meist im Ver­bor­genen blühen. Eine solche Per­sön­lich­keit war Diet­rich Koller, Pfarrer und wahr­haft pries­ter­liche Gestalt als Liturg, ori­gi­neller Pre­diger und geist­li­cher Begleiter. Er hat das "Pfarramt" äußerst kri­tisch gesehen - und es den­noch mit Sor­falt aus­geübt. Lange war er im unter­frän­ki­schen Wetz­hausen tätig. Dort hat ihn in den frühen 90er Jahren die Priorin der Com­mu­nität Cas­teller Ring "ent­deckt" und als Spi­ri­tual auf den Schwan­berg geholt. In nur drei­en­halb Jahren trug er dort wesent­lich zur Öff­nung des Ordens­le­bens bei.

koller-ebertTheo­lo­gisch passte er in kein Schema. Er war ortho­doxer Luthe­r­aner und Öku­me­niker, frie­dens­be­wegter Befrei­ungs­theo­loge und Mys­tiker, kri­ti­scher Exeget und Pas­to­ral­psy­cho­loge. Außerdem begna­deter Pia­nist, Dichter und Maler. In seinen Büchern befasste er sich mit der Trans­for­ma­tion der Amst­kirche ("Hei­lige Anar­chie") und mit den Folgen der Mam­mons­an­be­tung ("Geld oder Leben"). Er schrieb einen wun­der­vollen medi­ta­tiven Kom­mentar zum Tho­ma­sevan­ge­lium. Vor allem aber war er ein Beter, erfüllt von tiefer Jesus­liebe und zugleich inter­re­li­giös neu­gierig und dia­log­fähig.

Die letzten 15 Jahre ver­brachte er als Ruhe­ständler in Erfurt. Dort war er maß­geb­lich an dem Aufbau des Col­le­giats St. Peter und Paul betei­ligt, einer alter­na­tiven christ­li­chen Wohn­form, und als Begleiter und spi­ri­tu­eller The­ra­peut, der die Men­schen­seele kannte wie nur wenige. Er kämpfte gegen das krank­ma­chende Bild eines belei­digten Gottes, der durch Opfer ver­söhnt werden muss und lud statt­dessen ein: "Lasst euch ver­söhnen mit Gott!" Im Sonn­tags­blatt unserer Kirche hat er das kurz vor seinem Tod im Rahmen der Jesus­serie ("Erkenntnis vor dem Gna­den­stuhl", Nr. 46, 14.11.10") senisbel dar­ge­legt.

selbstbildnis kollerDas Spi­ri­tu­elle Zen­trum St. Martin hat er von Amfang an begleitet und inspi­riert. Zur Eröff­nung ver­fer­tigte er weg­wei­sende Gedanken zum Thema "Stille in der Stadt"; bei unserer großen Ennea­gramm­ta­gung in Hirsch­berg mit 100 Teil­neh­menden fas­zi­nierte er neben Richard Rohr als Haup­tre­fe­rent die Teil­neh­menden und lehrte uns das "india­ni­sche Mor­gen­gebet". Er führte uns in einem hin­rei­ßenden Seminar in das Buch "Der Weg des Men­schen nach der chas­si­di­schen Lehre" von Martin Buber ein, begleitet von impro­vi­sierten Sket­chen, bei denen wir die chas­si­di­schen Geschichten nach­spielten. Beim "ennea­gram­ma­ti­schen Toten­tanz" schlüpfte er in die gräss­liche Maske des Todes, der jede Typen­gruppe zum Tanz bat. In einer Art "Lehr­haus" stellte er uns sein Buch zum Tho­ma­sevan­ge­lium vor. Allen, die diese Semi­nare miter­lebt haben, werden sie unver­ge­ss­lich bleiben.

Diet­rich Koller hin­ter­lässt seine Frau Lucia und fünf erwach­sene Kinder, daneben Unzäh­lige, die einen großen geist­li­chen Lehrer, Freund und Begleiter ver­loren haben. Die Bei­set­zung findet am Freitag, 26. November, um 12 Uhr in Wetz­hausen statt.

Andreas Ebert

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