• Login
  • Suche
  • Links
  • Kontakt
  • Impressum
  • Aktuelles
  • Begrüßung
  • Zentrum und Verein
  • Regelmäßige Angebote
  • Veranstaltungskalender
  • Martinsmesse
  • Pilgerherberge
  • Beauftragter für Geistliche Übung
  • Rundbrief | Newsletter
  • Presseberichte
  • Kontakt
  • Anfahrt
Blog | Nachrichten
  • Aus St. Martin
  • Nahestehende Themen
  • Artikel von Andreas Ebert
  • Bücher | Postkarten

Ansprache zum Seminar "Familienverstrickungen lösen auf christlicher Basis"

Mittwoch, den 20. Juli 2011 um 19:09 Uhr | Geschrieben von: Bernd Hawe |

Am 15./16.07.11 fand in St. Martin das Seminar "Fami­li­en­ver­stri­ckungen lösen auf christ­li­cher Basis" mit Andreas Ebert und Niklas Tartler statt. Andreas Ebert hielt zur Ein­füh­rung in das Thema eine Ansprache, die Sie hier lesen oder als PDF her­un­ter­laden können:

Ansprache von Andreas Ebert zum Seminar „Fami­li­en­ver­stri­ckungen lösen auf christ­li­cher Basis“ am 15./16.07.11 im Spi­ri­tu­ellen Zen­trum St. Martin 

Nicht erst die moderne sys­te­mi­sche Fami­li­en­the­rapie hat her­aus­ge­funden, dass Schuld und Ver­stri­ckungen im Fami­li­en­system über Gene­ra­tionen fort­wirken können, wenn sie nicht auf­ge­löst, geheilt und ver­söhnt werden. Ebenso wirkt der Segen, der auf einer Familie liegt, über die Gene­ra­tionen hin­fort.

In den Zehn Geboten der hebräi­schen Bibel, die in 2. Mose 20 und 5. Mose 5 über­lie­fert werden, wird das Verbot von Göt­ter­bil­dern ergänzt durch fol­genden Hin­weis: "Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Mis­setat der Väter heim­sucht bis in die dritte und vierte Gene­ra­tion an den Kin­dern derer, die mich hassen, aber Barm­her­zig­keit erweist an vielen tau­senden, die mich lieben und meine Gebote halten." Dahinter steckt die Erfah­rung, dass die Abkehr von Gott, der Quelle des Lebens, Spät­folgen hat - ebenso wie die Got­tes­liebe. Wäh­rend der Got­tes­hass und der Göt­zen­dienst drei bis vier Gene­ra­tionen nach­wirken, reicht der Segen sogar viel weiter.

Ein hebräi­sches Sprich­wort lau­tete: "Die Väter haben saure Trauben gegessen und den Kin­dern sind die Zähne davon stumpf geworden". Auch dahinter steckt die Erfah­rung des Gene­ra­tio­nen­fluchs. Gegen diesen Fluch pro­tes­tieren bereits in der Zeit des Alten Bundes die Pro­pheten Jere­mias und Hese­kiel. Sie pro­phe­zeien die Erlö­sung aus dieser Ver­stri­ckung als Zei­chen des mes­sia­ni­schen Zeit­al­ters.

Bei Jeremia 31 heißt es: "Ich will die Müden erqui­cken und die Ver­schmach­tenden sät­tigen … Es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich das Haus Israel und das Haus Juda besäen will mit Men­schen und mit Vieh … Dann wird man nicht mehr sagen: 'Die Väter haben saure Trauben gegessen und den Kin­dern sind die Zähne stumpf geworden', son­dern ein jeder wird um seiner Schuld willen sterben, und wer saure Trauben gegessen hat, dem sollen seine Zähne stumpf werden. Siehe, es kommt die Zeit, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyp­ten­land zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; son­dern ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein."

Ähn­lich bei Hese­kiel 18: "Was habt ihr unter euch im Lande Israels für ein Sprich­wort: 'Die Väter haben saure Trauben gegessen, aber den Kin­dern sind die Zähne davon stumpf geworden'? So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Dies Sprich­wort soll nicht mehr unter euch umgehen in Israel. Denn alle Men­schen gehören mir; die Väter gehören mir so gut wie die Söhne … Wenn einer gerecht ist und Recht und Gerech­tig­keit übt, … das ist ein Gerechter, der soll das Leben behalten, spricht Gott der HERR … Der Sohn soll nicht tragen die Schuld des Vaters, und der Vater soll nicht tragen die Schuld des Sohnes, son­dern die Gerech­tig­keit des Gerechten soll ihm allein zugute kommen, und die Unge­rech­tig­keit des Unge­rechten soll auf ihm allein liegen."

Die Erlö­sung aus der Gene­ra­tio­nen­schuld bedeutet frei­lich auch schon für die Pro­pheten, dass jeder Mensch für das eigene Leben Ver­ant­wor­tung trägt und sie nicht mehr auf seine Vor­fahren abwälzen kann. Ver­söh­nung gebiert Selbst­ver­ant­wor­tung. Das ist aber erst mög­lich, wenn die Knoten der Fami­li­en­ver­stri­ckungen gelöst sind, sodass der Segen wieder frei fließen kann.

Jesus hat seinen Jün­gern ver­heißen (Mat­thäus 18, 18): "Alles, was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein." Auf diese Ver­hei­ßung und auf diesen Auf­trag berufen wir uns, wenn wir gemeinsam an diesem Wochen­ende ver­su­chen, die Ver­stri­ckungen unseres Fami­li­en­sys­tems auf­zu­spüren um sie vor Gott zu bringen und von Gott erlösen und wan­deln zu lassen.

Der angli­ka­ni­sche Arzt Ken­neth McAll hat schon vor drei Jahr­zehnten und lange vor Bert Hel­lin­gers Fami­li­en­auf­stel­lungen ein Buch ver­öf­fent­licht, das auf Eng­lisch "Healing the Family Tree" heißt und auf Deutsch unter dem Titel "Fami­li­en­schuld und Hei­lung" erschienen ist. Darin schil­dert er, wie er wäh­rend seiner Tätig­keit als Mis­si­ons­arzt eine Ent­de­ckung gemacht hat: Immer wieder sind ihm Men­schen begegnet, die unter uner­klär­li­chen Depres­sionen litten, die selbst­mord­ge­fährdet waren oder von allerlei psy­cho­so­ma­ti­schen Krank­heiten heim­ge­sucht wurden. In ihrer eigenen Bio­gra­phie, aber auch in der Ana­lyse ihrer Eltern­be­zie­hung und Kind­heit fanden sich keine Anhalts­punkte für die Ursache dieser Stö­rungen. MacAll begann, das grö­ßere Fami­li­en­system anzu­sehen, also bis in die dritte und vierte Gene­ra­tion zurück­zu­gehen. Dabei stieß er auf Brüche und Ver­stri­ckungen, die offenbar das ganze System beein­flussten. Zunächst waren da häufig Fami­li­en­mit­glieder, die aus­ge­grenzt wurden, über die man nicht sprach, deren Leben tabui­siert wurde. Das konnte viele Ursa­chen haben: Sie hatten unehe­liche Kinder gezeugt, Selbst­mord begangen oder waren in Gewalt­taten ver­wi­ckelt. Als er wei­ter­forschte stieß er auf wei­tere belas­tende Indi­ka­toren: Abtrei­bung, Miss­brauch, Got­tes­feind­schaft. Auch fiel ihm auf, dass es bei sol­chen Pati­enten manchmal Fami­li­en­mit­glieder gab, die aus irgend­wel­chen Gründen nicht christ­lich bestattet worden waren. Es wuchs bei ihm der Ein­druck, dass unver­ge­bene Schuld im System aus­strahlt - ebenso wie Got­tes­liebe und Segen. Also genau das, was bereits im Alten Tes­ta­ment fest­ge­stellt wird.

Seine spi­ri­tuell-the­ra­peu­ti­sche Idee war so ein­fach wie wir­kungs­voll: Er war zwar Angli­kaner, erin­nerte sich aber an die katho­li­sche Tra­di­tion der "See­len­messen" für Ver­stor­bene. Er begann mit befreun­deten Pries­tern und betrof­fenen Pati­enten für die Ver­stor­benen zu beten, und zwar im Rahmen von Abend­mahl­got­tes­diensten. Denn das Abend­mahl ist der Ort, wo sich Himmel und Erde sichtbar ver­binden. Am Tisch Gottes sind Gott und Mensch, Lebende und Tote ver­eint. Er begann auch, in diesem Set­ting, für unge­sühnte Schuld und nicht ver­ge­bene Sünden im Ahnen­system zu beten. Das Ergebnis war beein­dru­ckend. Es kam zur Hei­lung vieler Stö­rungen, und zwar nicht nur bei den anwe­senden Pati­enten, son­dern in deren gesamtem Fami­li­en­system - selbst bei Mit­glie­dern der Familie, die nicht von diesen Got­tes­diensten wussten. Sys­teme ord­neten sich neu, Kon­flikte wurden gelöst, die Liebe konnte wieder freier fließen.

Kurz nachdem ich dieses Buch gelesen hatte, wurde mir klar, dass auch in meinem System viel Unheil war. Eine Erb­krank­heit hat in meiner väter­li­chen Linie über Gene­ra­tionen gewütet. Mein Groß­vater wurde wegen der Krank­heit (Chorea Hun­tington) im Rahmen der "Ver­nich­tung unwerten Lebens" von den Nazis ermordet. Mein Vater und vier seiner fünf Geschwister waren ihr zum Opfer gefallen, ebenso min­des­tens ein Cousin. Als ich von meinem Freund Diet­rich Koller und seiner Frau Lucia vor über 20 Jahren besucht wurde, bat ich sie, mit mir einen Got­tes­dienst für meine Ahnen zu feiern. In meinem Schlaf­zimmer knieten wir am Boden, eine Kerze brannte, Brot und Wein standen bereit. Diet­rich kon­se­krierte Brot und Wein. Wir spra­chen die Namen der Toten aus. Eine unglaub­lich tiefe Trauer bemäch­tigte sich meiner. Ich spürte all das Elende und Leid, das auf meiner Familie lag, sah vor meinem geis­tigen Auge die Lei­chen­berge, die die Nazis auf­ge­häuft hatten. Ich schrie vor Schmerz. Mein Freund Diet­rich tauchte den Finger in den geseg­neten Wein, benetzte die Fotos meiner Toten und seg­nete sie mit dem Zei­chen des Kreuzes. Nach dem Got­tes­dienst wurde ich von einem großen Frieden erfüllt. Fünf Jahre später habe ich selbst einen Gen-Test gemacht, ob auch ich Träger des ver­häng­nis­vollen Erbes bin. Noch einmal über­wäl­tigte mich große Todes­angst. Dann erfuhr ich, dass ich "negativ" bin.

Noch­mals einige Jahre später habe ich eine Fami­li­en­auf­stel­lung nach Bert Hel­linger gemacht. Dort stellte ich noch­mals meinen Groß­vater und all seine Kinder auf. Obwohl die Anwe­senden von jenem denk­wür­digen Got­tes­dienst nichts wussten, geschah etwas Erstaun­li­ches: Die Stell­ver­treter meiner väter­li­chen Linie sagten einer nach dem anderen, wie gut es ihnen geht. Mein Groß­vater strahlte und sagte, er schaue mit großer Liebe auf mich herab. Es war offen­kundig: Der Fluch war gelöst.

Ich erzähle das, um Euch zu ermu­tigen, auch Eure sys­te­mi­schen Ver­stri­ckungen anzu­sehen und Gott anzu­ver­trauen. Ich wün­sche euch die Erfah­rung, die in dem wun­der­baren Choral "Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude" so aus­ge­drückt wird: "Jesus ist kommen, nun springen die Bande, Stricke des Todes die reißen ent­zwei. Unser Durch­bre­cher ist nun­mehr vor­handen, er, der Sohn Gottes, er machet recht frei. Bringet zu Ehren aus Sünden und Schande: Jesus ist kommen, nun springen die Bande."

Wir werden heute und morgen nüch­tern auf die Rea­lität unseres jewei­ligen Sys­tems bli­cken und die Knoten auf­spüren, soweit sie sich jetzt zeigen. Niklas Tartler als sys­te­mi­scher Fami­li­en­the­ra­peut und ich als Theo­loge haben gemerkt, wie sich unsere beiden Ansätze ergänzen und befruchten. Was wir machen wollen, das ist kein Hokus­pokus, son­dern die ein­fäl­tige und wie wir glauben wir­kungs­volle Zusam­men­schau psy­cho­lo­gi­scher Erkennt­nisse und die Inan­spruch­nahme spi­ri­tu­eller Kraft­quellen, die uns Gott geschenkt hat. Der Hei­lige Geist vermag in großer Tiefe zu lösen, was rein psy­cho­lo­gisch zwar benannt, aber nicht immer ent­knotet werden kann. Ich möchte um seinen Segen beten:

"Hei­liger Geist, du durch­forschst alles, unsere eigene Tiefe und die Tiefe Gottes. Du weißt, welche guten und bedroh­li­chen Mächte auf uns und in uns wirken. Wir bitten Dich, unser Herz und unseren eigenen Geist für dein Wirken zu öffnen, damit die Hei­lung und Lösung geschehen kann, die uns Jesus Christus ver­heißen hat. Wir sollen aufatmen und frei sein, hat Jesus gesagt. Danach sehnen wir uns. Und darum bitten wir in seinem Namen. Amen."

< Zurück

 
Copyright © 2012 Spirituelles Zentrum St. Martin. Alle Rechte vorbehalten.
Spirituelles Zentrum St. Martin · Arndtstraße 8 (Rgb.) · 80469 München · Tel. 089 20244294

Template by real79.org - Joomla Templates.