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Pfingstvigil - Elisabeth Groß über den Meditationstag in St. Martin

Dienstag, den 14. Juni 2011 um 23:35 Uhr | Geschrieben von: Elisabeth Groß |

Samstag vor Pfingsten - Medi­ta­ti­onstag im Spi­ri­tu­ellen Zen­trum St. Martin.

Ich habe keine Zeit. "Wenn man keine Zeit hat, ist es gerade nötig, zu medi­tieren!" sagt Maike. Also - ich komme. Pfingsten ist mir ja immer wichtig gewesen. Dieses Fest will vor­be­reitet sein, soll es etwas bringen. Ich weiß es ja.

Freund­liche Begrü­ßung zum Anfang, eine Vor­stel­lungs­runde - wir sind etwa zehn Teil­nehmer, da dauert das nicht lang.

Ein paar ein­füh­rende Worte, von denen mir vor allem eines blieb; das heißt, es blieb in den Ohren, und brauchte einige Zeit, bis es mäh­lich bei mir ein­si­ckerte: "Der beste Helfer bei der Medi­ta­tion ist unser Körper, weil der es ist, der ganz im Jetzt und Hier exis­tiert. Ja, wenn wir es auch selber wissen, so mag es doch hilf­reich sein, daran zu erin­nern."

Übungen zur Wahr­neh­mung dieses unseres Kör­pers folgen, ruhig und auf eine Weise flie­ßend; sie tun gut.

Obgleich es nun schon 10 Uhr ist, hat mich eine unge­wohnte Schläf­rig­keit im Griff; bis zur ersten Pause wir­beln Traum­fetzen und Bilder des Realen durch­ein­ander, nicht sehr erbau­lich. Den­noch bleibt die Absicht: diese Zeit schenke ich Gott, ganz unab­hängig von ihrem Ver­lauf. So hieß es in der Ein­füh­rung.

Ein Haferl Kaffee weckt meine Lebens­geister; nun bin ich ganz da, hell­wach. Und das Wort vom Beginn ist end­lich ange­kommen bei mir. Ich fange an, meinen Körper wahr­zu­nehmen, diese Ein­heit aus Leib und Seele, die so lange getrennt gesehen worden sind in einem ver­häng­nis­vollen Irrtum. Ich spüre in meine Hände hinein, jede davon ein Wun­der­werk der Schöp­fung, von den Fin­ger­spitzen an bis in die Innen­fläche, und ich fühle die Bezie­hung, in wel­cher die beiden zu ein­ander stehen. Des­halb kann ich es auch nicht lassen, mit erho­benen Händen zu medi­tieren; die Ströme, die zwi­schen ihnen hin- und her­fließen, erfahre ich als Kraft. Ebenso meldet sich die Zwei­heit in meinem Körper, Augen, Ohren, die Glieder, alle auf­ein­ander bezogen, keines allein voll taug­lich. Die Füße ruhen neben­ein­ander, die mich tragen und die Ver­bin­dung zur Erde her­stellen, das ganze Kno­chenske­lett nehme ich wahr, so sinn­voll ange­legt, um mich zu halten und beweg­lich zu machen, die Haut, die ich fühle an mir, und welche die Bezie­hung zu meiner Umge­bung mög­lich macht. Und in all diesem Wun­der­werk, dem Atem  lau­schend, der es am Leben erhält, spüre ich Seinen Atem, bin ich da vor IHM, in IHM, der seinen Namen nennt als der "Ich bin da."

Ein lie­be­voll berei­tetes Mit­tags­mahl nehmen wir schwei­gend ein, in der Acht­sam­keit, die auch zur Kon­tem­pla­tion gehört. Die anderen gehen still spa­zieren; ich erlaube mir ein Schläf­chen im Neben­raum, das ich brauche, um wach zu sein für den Nach­mittag.

Noch einmal Übungen zur Kör­per­wahr­neh­mung. Wir sollen uns fühlen, wie Algen, die auf dem Wasser schwimmen, Die Bewe­gungen sind sanft, flie­ßend, das ima­gi­nierte Wasser leicht oder auch mehr bewegt. In der nächsten Übung folgen wir mit unseren Bewe­gungen einer Pflanze, die auf­wächst, eine Knospe bildet und erblüht, bis sie ver­blüht, die Blü­ten­blätter fallen läßt, Samen dann, aus wel­chen in uns die Pflanze Wur­zeln bildet, neuen Schöß­ling treibt und neu beginnt, zu wachsen und zu blühen.

Als die Klang­schale wieder leise ertönt, ist mir, als wiege ich mich wie die Pflanze in den geheim­nis­vollen Was­sern eines Lebens in Gott, es ist wie eins sein, ganz sein, auf eine fried­volle, stille Weise.

Ich bin die Blume, die aus mir wächst, auf­blüht und ver­geht, und dabei immer wieder aufer­steht. Es scheint wie ein Kreis­lauf, aber das ist es nicht, son­dern immer wieder Neu­an­fang, eine neue Chance, kein Still­stand, son­dern Bewe­gung. Es gibt ja keinen Still­stand bei Gott, denn das wäre Erstarren.

Pfingsten kommt morgen. Ich habe emp­fangen, und "soll der Segen nicht schal werden und uns zum Unsegen, müssen wir ihn wei­ter­geben und Gottes Men­schen helfen, wo immer zu helfen ist." (Alfred Delp)

Eli­sa­beth Groß ist das älteste Mit­glied im Spi­ri­tu­ellen Zen­trum St. Martin, eine "Pio­nierin", die von Anfang an dabei war, uner­müd­lich im Mar­tins­messen-Team und eine lang­jäh­rige treue Medi­tie­rerin des Her­zens­ge­bets.

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