Pfingstvigil - Elisabeth Groß über den Meditationstag in St. Martin
Samstag vor Pfingsten - Meditationstag im Spirituellen Zentrum St. Martin.
Ich habe keine Zeit. "Wenn man keine Zeit hat, ist es gerade nötig, zu meditieren!" sagt Maike. Also - ich komme. Pfingsten ist mir ja immer wichtig gewesen. Dieses Fest will vorbereitet sein, soll es etwas bringen. Ich weiß es ja.
Freundliche Begrüßung zum Anfang, eine Vorstellungsrunde - wir sind etwa zehn Teilnehmer, da dauert das nicht lang.
Ein paar einführende Worte, von denen mir vor allem eines blieb; das heißt, es blieb in den Ohren, und brauchte einige Zeit, bis es mählich bei mir einsickerte: "Der beste Helfer bei der Meditation ist unser Körper, weil der es ist, der ganz im Jetzt und Hier existiert. Ja, wenn wir es auch selber wissen, so mag es doch hilfreich sein, daran zu erinnern."
Übungen zur Wahrnehmung dieses unseres Körpers folgen, ruhig und auf eine Weise fließend; sie tun gut.
Obgleich es nun schon 10 Uhr ist, hat mich eine ungewohnte Schläfrigkeit im Griff; bis zur ersten Pause wirbeln Traumfetzen und Bilder des Realen durcheinander, nicht sehr erbaulich. Dennoch bleibt die Absicht: diese Zeit schenke ich Gott, ganz unabhängig von ihrem Verlauf. So hieß es in der Einführung.
Ein Haferl Kaffee weckt meine Lebensgeister; nun bin ich ganz da, hellwach. Und das Wort vom Beginn ist endlich angekommen bei mir. Ich fange an, meinen Körper wahrzunehmen, diese Einheit aus Leib und Seele, die so lange getrennt gesehen worden sind in einem verhängnisvollen Irrtum. Ich spüre in meine Hände hinein, jede davon ein Wunderwerk der Schöpfung, von den Fingerspitzen an bis in die Innenfläche, und ich fühle die Beziehung, in welcher die beiden zu einander stehen. Deshalb kann ich es auch nicht lassen, mit erhobenen Händen zu meditieren; die Ströme, die zwischen ihnen hin- und herfließen, erfahre ich als Kraft. Ebenso meldet sich die Zweiheit in meinem Körper, Augen, Ohren, die Glieder, alle aufeinander bezogen, keines allein voll tauglich. Die Füße ruhen nebeneinander, die mich tragen und die Verbindung zur Erde herstellen, das ganze Knochenskelett nehme ich wahr, so sinnvoll angelegt, um mich zu halten und beweglich zu machen, die Haut, die ich fühle an mir, und welche die Beziehung zu meiner Umgebung möglich macht. Und in all diesem Wunderwerk, dem Atem lauschend, der es am Leben erhält, spüre ich Seinen Atem, bin ich da vor IHM, in IHM, der seinen Namen nennt als der "Ich bin da."
Ein liebevoll bereitetes Mittagsmahl nehmen wir schweigend ein, in der Achtsamkeit, die auch zur Kontemplation gehört. Die anderen gehen still spazieren; ich erlaube mir ein Schläfchen im Nebenraum, das ich brauche, um wach zu sein für den Nachmittag.
Noch einmal Übungen zur Körperwahrnehmung. Wir sollen uns fühlen, wie Algen, die auf dem Wasser schwimmen, Die Bewegungen sind sanft, fließend, das imaginierte Wasser leicht oder auch mehr bewegt. In der nächsten Übung folgen wir mit unseren Bewegungen einer Pflanze, die aufwächst, eine Knospe bildet und erblüht, bis sie verblüht, die Blütenblätter fallen läßt, Samen dann, aus welchen in uns die Pflanze Wurzeln bildet, neuen Schößling treibt und neu beginnt, zu wachsen und zu blühen.
Als die Klangschale wieder leise ertönt, ist mir, als wiege ich mich wie die Pflanze in den geheimnisvollen Wassern eines Lebens in Gott, es ist wie eins sein, ganz sein, auf eine friedvolle, stille Weise.
Ich bin die Blume, die aus mir wächst, aufblüht und vergeht, und dabei immer wieder aufersteht. Es scheint wie ein Kreislauf, aber das ist es nicht, sondern immer wieder Neuanfang, eine neue Chance, kein Stillstand, sondern Bewegung. Es gibt ja keinen Stillstand bei Gott, denn das wäre Erstarren.
Pfingsten kommt morgen. Ich habe empfangen, und "soll der Segen nicht schal werden und uns zum Unsegen, müssen wir ihn weitergeben und Gottes Menschen helfen, wo immer zu helfen ist." (Alfred Delp)
Elisabeth Groß ist das älteste Mitglied im Spirituellen Zentrum St. Martin, eine "Pionierin", die von Anfang an dabei war, unermüdlich im Martinsmessen-Team und eine langjährige treue Meditiererin des Herzensgebets.