Dietrich Kollers letzter Text - ein theologisches Ärgernis?
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| Dietrich Koller: Ein Evangelium ohne Kreuz? |
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Als Dietrich Koller, der mit St. Martin sehr verbunden war, Ende November 2010 starb, lag das Manuskript zu einem "Auftragswerk" fast fertig auf seinem Schreibtisch. Für die Jesus-Serie des Evang. Sonntagsblattes in Bayern sollte er für die Neujahrsausgabe eine kleine Abhandlung über Jesus im Thomasevangelium beisteuern. Vor zwei Jahren war im Kreuz-Verlag sein Buch "Das Thomasevangelium für unsere Zeit" mit täglichen Meditationen zu den 114 Sprüchen (Logien) dieses "fünften Evangeliums" erschienen. Es ist in St. Martin gegen eine Spende erhältlich. Der Artikel ist im Sonntagsblatt dann doch nicht erschienen. Der Chefredakteur Helmut Frank hatte Bedenken. Und leider konnte er mit dem Autor selbst nicht mehr darüber sprechen. Bestimmte Aussagen von Dietrich Kollers Beitrag stehen offensichtlich in starker Spannung zur derzeit geltenden "Normaltheologie" unserer Kirche.
Die Diskussion über den Kreuzestod Jesu und seine Bedeutung ist voll im Gange und rührt an jahrhundertealte Vorstellungen vom Sühneopfer. Diese Deutung des Todes Jesu ist zwar nicht die einzige, die sich in der Bibel findet, aber sie hat sich vor allem seit dem Mittelalter so massiv in der westlichen Theologie (im Katholischen wie später auch im Evangelischen, Passionslieder unseres Gesangbuches zum Beispiel kennen praktisch nur das Bild vom Sühnetod). Das Thomasevangelium hingegen präsentiert einen Jesus, der nicht stellvertretend für uns leidet sondern uns einlädt, das eigene Kreuz so zu tragen, wie er sein Kreuz getragen hat. Er lebt und stirbt nicht stellvertretend für uns, sondern in uns und mit uns - eine Vorstellung, die es in der orthodoxen Theologie, die viel mystischer ausgerichtet ist als das westliche Denken, immer schon gegeben hat.
Schade ist es, dass das Sonntagsblatt seinen Lesern diese Debatte nicht zumutet, vielleicht auch aus der Furcht vor kirchenleitender Schelte. Wir stellen Dietrich Kollers Beitrag auf unsere Homepage und erhoffen uns eine fruchtbare Diskussion. Haben Gedanken, wie sie Dietrich Koller dem Thomasevangelium entnimmt, Platz in unserer Kirche - zumindest als eine (notwendige) Ergänzung zu traditionellen theologischen Denkfiguren?
Wir würden uns freuen, wenn viele Besucher unserer Seite ihre Kommentare hinterlassen würden (Ihre E-Mail-Adresse wird abgefragt, aber nicht im Kommentar veröffentlicht). Sind Kollers Aussagen ein Ärgernis oder gar gefährlich? Und weshalb könnte eine Kirchenleitung diese Art von Theologie beargwöhnen oder ausbremsen? Ist es die alte Spannung zwischen dem "geglaubten Glauben" der Dogmatik und dem "erfahrenen Glauben" der Mystik? Müssen sich beide befehden, oder vermögen sie einander zu ergänzen? Mit diesem Beitrag wollen wir auf unserer Seite und auch im Programm und den Gottesdiensten von St. Martin zu einer spirituellen Debattenkultur einladen, bei der es um all das gehen soll, was viele Menschen heute geistlich beschäftigt, aber von großen Teilen der Kirchen nicht wahr genommen wird.
Lesen Sie auf der nächsten Seite Dietrich Kollers Abhandlung "Ein Evangelium ohne Kreuz?" (oder hier als PDF-Download), zu der Sie Ihren Kommentar verfassen können.
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18.04.2011 23:45:45 | Stefan Wehmeier - Alle wirklich genialen Dinge sind einfach(Nag Hammadi Library / Dialog des Erlösers) Der Herr sagte: Ihr habt alle Dinge verstanden, die ich euch gesagt habe, und ihr habt sie im Glauben angenommen. Wenn ihr sie erkannt habt, dann sind sie die Eurigen. Wenn nicht, dann sind sie nicht die Eurigen. Welches enorme Wissen hatte Jesus allen anderen Menschen voraus? Selbst wenn sich dies nicht beweisen ließe, wäre es noch immer hochgradig unwahrscheinlich, dass die berühmteste Persönlichkeit der Welt, auf der bis heute die planetare Zeitrechnung basiert, irgendetwas anderes entdeckt haben könnte, als das Grundprinzip der absoluten Gerechtigkeit, die Basis des Weltfriedens. Wer (noch) nicht weiß, was Gerechtigkeit ist, darf auch nicht wissen, was Ungerechtigkeit ist, um eine Existenz in "dieser Welt" überhaupt ertragen zu können. Zu diesem Zweck gibt es die Religion, die so erfolgreich war, dass sie die systemische Ungerechtigkeit der Erbsünde bis heute aus dem allgemeinen Bewusstsein der halbwegs zivilisierten Menschheit ausblenden konnte. Angesichts der Tatsachen, dass die Erbsünde über 14.000 Kriege in der bekannten Geschichte verursachte, denen mehr als eine Milliarde Menschen zum Opfer fielen, und dass gegenwärtig etwas 100.000 Menschen pro Tag aufgrund der Erbsünde verhungern müssen, während das Wissen längst zur Verfügung steht, um diese "Mutter aller Zivilisationsprobleme" endgültig zu eliminieren, war die Religion, die Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe, deutlich zu "erfolgreich". (Nag Hammadi Library / Thomas-Evangelium / Logion 113) Seine Jünger sagten zu ihm: "Das Königreich, an welchem Tag wird es kommen?" Jesus sagte: "Es wird nicht kommen, wenn man Ausschau nach ihm hält. Man wird nicht sagen: "Siehe hier oder siehe dort", sondern das Königreich des Vaters ist ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen es nicht." www.deweles.de/willkommen/cancel-program-genesis.html (Nag Hammadi Library / Thomas-Evangelium / Logion 108) Jesus sagte: Wer von meinem Mund trinken wird, wird werden wie ich; ich selbst werde er werden, und die verborgenen Dinge werden sich ihm offenbaren.
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06.03.2011 12:54:49 | Beate NeubauerWas wäre ein Jesus, der als Sühneopfer zwar die Sünden der Welt auf sich nehmen (musste!), aber nicht in und mit den Menschen zu leben verstanden hätte! Ein toter Popanz, der die kleinen Kinder aus anderen Religionen, wenn sie erstmals eine christliche Kirche betreten, zu erschrecken vermag!! Genau das kann er nicht gewesen sein, sonst wäre sein lebendiges Andenken über Jahrtausende nicht für viele Menschen existenziell wichtig gebleiben. Und daher ist Dietrich Kollers "Gegenbild" so wertvoll. Denn mit einem solchen Jesus gewinnen wir die jungen Menschen der kommenden Generationen, die auf der Suche nach sinnerweiternder Spiritualität genau dieses "Jeder trägt sein Kreuz im Sinne Jesu" annehmen könnten und sich nicht in dubiosen Sekten verirren müssten. Wie wunderbar, dass es stets denkfähige Menschen gibt und nicht nur Dogmatiker, die wir ja nicht nur in den christlichen Kirchen finden.
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08.02.2011 19:57:14 | Peter Flückiger - Das Pendel schlägt zurückEs scheint mir, dass heute viele Theologen und auch Laien Mühe haben mit einem "blutigen" Jesus. Er passt einfach nicht so recht in unsere Zeit und Kultur, die zunehmend von Erfolg und Wohlstand, Psychologisierung und Relativismus geprägt ist. Nicht dass ich Jesus das Sanfte und seine Weisheit absprechen möchte, aber das Anrüchige und Widerborstige ist trotzdem sein Kreuzestod und seine Auferweckung. Die Bedeutung seines Kreuzestodes lässt sich nicht auf das Sühneopfer reduzieren, wiewohl dieser Aspekt wahrscheinlich der wichtigste ist. Es gibt auch noch die biblischen Bilder der Befreiung (aus Wirtschaft), Versöhnung (Familie und Politik), Verurteilung/Rechtfertigung (Justiz), Sieg (Militär), Gehorsam (Beziehung), des Mitleidens (Solidarität) und vermutlich noch weitere. Diese Bilder könnten helfen, ein umfassendere Sicht spiritueller Wirklichkeiten zu erhalten.
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07.02.2011 12:06:37 | Christoph Lang - Verpackung und InhaltMit Interesse und Gewinn habe ich den letzten Text von Dietrich Koller über das Thomas-Evangelium gelesen. Über die Gründe, warum dieser Beitrag nicht im „Evang. Sonntagsblatt“ abgedruckt wurde, habe ich nicht zu befinden. Ich habe – unabhängig von diesem Fall – den Eindruck, dass die Angst bei Kirchens vieles bestimmt, in den Kirchenleitungen, den Organen, auf der Ebene der Gemeinden und in den Köpfen vieler Kirchentreuen. Immer wieder muss ich an Richard Rohrs Diktum „the german Angst“ denken, einem offensichtlich unübersetzbaren deutschen Wort… Kollers Text und sein Buch „Das Thomas-Evangelium für heute“ sind m.E. ein wichtiger Beitrag auf dem Weg der Christen im 21. Jahrhundert. Eine erneuerte Spiritualität ohne Denkverbote kann und darf sich nicht damit genügen, nur die Verpackung („container“) zu erneuern, es muss m.E. auch über den Inhalt („content“) diskutiert werden – und dazu brauchen wir solche Beiträge wie die von Dietrich Koller. Dietrich Bonhoeffer schrieb 1944 in einem Brief an sein Patenkind: „Wir sind wieder ganz auf die Anfänge des Verstehens zurückgeworfen.“ Und: „In den überlieferten Worten und Handlungen ahnen wir etwas Neues und Umwälzendes, ohne es noch zu fassen und aussprechen zu können.“ In dieser Haltung des „Anfänger-Geistes“ liegt m.E. die große Chance für uns! Bonhoeffer beendete seinen Brief an sein Patenkind damals mit den Worten: „Bis Du groß bist, wird sich die Gestalt der Kirche sehr verändert haben“. Es bleibt also spannend!
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08.02.2011 17:10:19 | Stefan Riphaus - Allen Grund zur Angst ...... haben in der Tat die Kirchenobersten, aber wirklich nur die. Habe das Buch zwischenzeitlich gelesen. Neben den 114 Jesusworten und DK's Interpretationen derselben, ist das, was das Buch so wertvoll macht, gleichzeitig der Grund, warum die Kirche (insb. die kath.) dieses Buch wohl am liebsten genauso verschwinden lassen würde, wie einst das Thomasevangelium selbst ... P.S.: Das Buch ist stark Bewusstseins erweiterend. Das gnostische Perlenlied ist ein echtes Geschenk - Danke :) Ich suche schon nach meiner Perle ...
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30.01.2011 10:48:33 | Konrad Mayer - SühneopferDas Bild vom Sühneopfer hat mir seit jeher den Zugang zur christlichen Religion erschwert. "Ein Gott, der die Menschen so liebt, dass er seinen Sohn opfert". Oder in der Spiegelung: "Ein Gott, der seinen Sohn so liebt, dass er die Menschheit opfert." Was für ein Gott ist das, der sich an ein Regelwerk hält, wo er seine Liebe durch ein blutiges Opfer beweisen muss? Da finde ich die Botschaft des Thomas-Evangeliums, wie sie Herr Koller darstellt, erlösend.
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25.01.2011 12:11:37 | Rüdiger Schellberg - Das Geheimnis des MeistersDie Lehre Jesu ist nach meiner Ansicht keine Lehre der Spiritualität, sondern der Tat. Dazu wird der Mensch in allen Gleichnissen von Jesus aufgefordert. Er soll sich entwickeln, es gipfelt in der Forderung - so zu werden wie der Vater. Ein wesentlicher Angelpunkt in diesem Prozess, es geht nicht nur um die eigene Selbstverwirklichung, sondern um ein Miteinander. Selbstverwirklichung - ja, wenn bei diesem Tun auch der neben dir beachtet und einbezogen wird. Die Apostolische Kirche hat über Jahrhunderte ihre Rituale und Mystik von Fleisch und Blut entwickelt. Sie hat in ihrer dunkelsten Zeit nicht im entferntesten an Menschenrechte gedacht, obwohl ihr erstes Gebot - an dem die Schöpfung hängen soll - den Nächsten in dem Vordergrund stellt. Jesus bedauert in den Thomas-Logien wiederholt, dass ihn seine Jünger nicht verstehen. Also suchen wir weiter!
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17.01.2011 19:06:48 | Stefan Riphaus - Wollte Jesus, dass wir getrennt leben und glauben?Eine Freundin sagte: "Was uns eint, ist unsere Spiritualität. Was uns trennt, sind unsere Religionen". Jesus war Lehrer, kein Religionsstifter. Und er verstand unter Gemeinschaft bestimmt nicht, dass sich verschiedene Gruppen bilden sollen, um das Mahl schön sauber getrennt ("korrekt" nach ihren jeweiligen Regeln) feiern. Und sich die Köpfe einschlagen, weil jeder für sich in Anspruch nimmt, der bessere Schüler des Meisters zu sein. Alle sind sich dann aber wieder einig, wenn es gegen "ganz andere" (Moslems, Juden) geht. Und das alles im Namen des Vaters, des Sohnes und ... Jesus würde sich am Kreuze rumdrehen (Entschuldigung für die harte Wortwahl). Mich lässt die ganze Debatte, wie es wirklich war, und wer Recht hat ... blabla ... schlicht verzweifeln. Ja, hört denn überhaupt noch einer hin, was Jesus sagt, und worum es ihm egentlich geht? Ich habe mir geschworen, mich nie wegen religiöser Themen zu ereifern. Religiöser Eifer ist für die Welt so schädlich wie die Gier der Investmentbanker und die Macht der Politiker. Nun habe ich mich doch ereifert. Entschuldge, lieber Jesus. Dein Stefan
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06.01.2011 15:04:19 | Melanie Schultheiß - Das Energiefeld einer alten (Kirchen-)GemeinschaftEs heißt, daß jede Gemeinschaft im Laufe der Zeit ein mehr oder weniger starkes Energiefeld bildet. Gespeist von der Dynamik und den Überzeugungen der Mitglieder. Wenn ein "Späterer" an den Überzeugungen rüttelt, erzeugt dies in der Regel Abwehr der "Früheren". Begegnet er dann den "Früheren" mit Respekt und bleibt standhaft in seiner "Wahrheit"ohne zu übersehen, daß auch sie nur vorübergehend ist, werden die, die mit seiner Sichtweise in Resonanz stehen, die Überzeugungen der Gemeinschaft mit der Zeit verändern. Sofern sie eine kritische Masse erreichen und es nicht vorziehen, eine eigene Gemeinschaft zu gründen. Dietrich Koller stand in einer langen Reihe von Reformern, denen das Geschick abverlangte, ehernen Dogmen noch vor einem allgemeinen Konsens entgegenzutreten. Die noch "Späteren" werden den Prozeß, aufbauend auf seinem Vordenken, nach ihrem Erkenntnisvermögen weitergestalten... Da ich lebenslang sowohl mal eine "Frühere" und dann auch wieder eine "Spätere" bin, werde auch ich mich immer wieder in solchen Auseinandersetzungen befinden. Mich holt das ins Bewußtwerden und vielleicht auch dahin, mich immer weniger stark mit etwas zu identifizieren. Schwebende Aufmerksamkeit! Das wäre mir mein liebster Zustand, auch in religiöser/spritueller Hinsicht! Mit freundlichem Gruß, Melanie Schultheiß
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17.01.2011 21:02:48 | Maike SchmaußIch kann die Bedenken gegen das Thomasevangelium bzw. gegen Dietrich Kollers Artikel überhaupt nicht nachvollziehen. Es geht doch nicht um die Frage "Glaube ich an den Jesus des Thomasevangeliums, den Jesus der Logien, oder glaube ich an den Jesus der anderen Evangelisten, den Gekreuzigten und Auferstandenen"! Es geht nicht um ein Entweder -Oder, sondern um ein Sowohl-als auch!Das Thomasevangelien mit seinen z. T. ganz neuen Jesusworten ist eine zutiefst bereichernde Ergänzung. Es war für mich ein besonderes Erlebnis, nie gehörte Jesusworte zu hören, Jesus ungewohnt neu zu begegnen. Und welche Bezeichnung könnte für ihn zutreffender sein als "der Lebendige"! Der Lebendige, Gegenwärtige - ihm möchte ich begegnen, ganz abseits aller theologischen Streitfragen über Sühnetod und Opfer.
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05.01.2011 14:37:44 | Alfred Böswald - Das Geheimnis des MeistersDietrich Koller trifft mit seinen "letzten Worten" den Nagel auf den Kopf und treibt ihn ins Fleisch einer ängstlich um ihren Stand, ihre Bedeutung und ihre Position ringenden Kirche: Jesus wollte keine Opfer- und Sühnereligion, er wollte überhaupt keine neue äußere Religion, sondern einen Wandel im Inneren der Menschen!"Fürchtet Euch nicht" war sein Ruf an alle Menschen, die aus Angst vor Verlust einer fragwürdigen irdischen Sicherheit zu Handlangern einer Gesetzesreligion geworden sind, die in Gerechte und Schlechte einteilte. In dieser Schwarz-Weiß-Welt dominieren damals wie heute Ängste, Schuldgefühle und krankmachende Abhängigkeit von Vergänglichem. Von eben diesen drei Fesseln wollte Jesus uns alle befreien, wollte uns zu mutigen, mit sich ausgesöhnte und freien Menschen machen, deren "Gottesfunke" nicht nur glimmt, sondern lodert! Furchtlos das Geschenk des individuellen Soseins annehmen, furchtlos in der nicht ausgrenzenden bedingungslosen Liebe leben, furchtlos den Machtfesseln von Staat, Kirche und Gesellschaft die Stirn des Denkers und die Hand des Wanderers bieten - dazu ermuntert uns der "Meister"! In meinem aktuellen Buch "DAS GEHEIMNIS DES MEISTERS" (Kösel) geht es genau darum: Um die krankmachende Angst, Schuld und Abhängigkeit, aber eben um die erlösende Erfahrung von Mut, Vergebung und Freiheit. Schade, dass es Dierich Koller nicht mehr lesen konnte - ich hätte mich auf seine anregenden Kommentare sehr gefreut! Für das Kreuz des Leids ist im Leben des aus der Liebe Gottes lebenden Menschen immer Platz und muss immer Platz sein: Denn durchs Leid kommen wir zur Erlösung und damit in die Einheit mit Gott. So verstanden ist der Kreuzestod und vor allem die Auferstehung die Vorwegnahme unseres Wegs: Durchs Leid zum Leben!Denn alles Leid wirft uns aus den gefährlich eingefahrenen Bahnen, die wir mutig verlassen sollen, um unseren wahren Weg zu finden: Den Weg der Furchtlosigkeit und Liebe! Danke Dietrich Koller! Alfred Böswald Ganzheitliches Zentrum für Persönlichkeitsentwicklung und Psychotherapie Weilheim
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24.01.2011 21:21:55 | Martin SchleskeAlfred, Deine Gedanken zum Thema „Kreuz des Leides“ finde ich ganz wesentlich. Ich denke, es ist in all dem wichtig, die Leidensbereitschaft der Liebe nicht in die Erlösungskraft des Leidens zu verkehren. Es wäre ein fatales Missverständnis, den Tod Jesu zu verherrlichen – gerade so als habe Martyrium aus sich selbst heraus einen Wert, als sei Leiden eine Form des Gottesdienstes. Es geht in Jesus nicht um die Erlösungskraft des Leidens, sondern um die Leidensbereitschaft der erlösenden Liebe! Nicht das Leiden hat Erlösungskraft, sondern die Liebe ist (wenn es nötig ist) auch bereit, zu leiden. Die Aussage „Er hat für uns gelitten“ verherrlicht nicht sein Leiden, sondern zeigt, wie weit seine Liebe ging!
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05.01.2011 12:36:20 | R. Schellberg - Evangelium ohne Kreuz?Das Kreuz hat auch im Thomas-Evangelium seinen Platz. Nur zeigt es, dass der Gott der Lebenden nicht auf Macht setzt, sondern die Zuwendung zum Nächsten im Vordergrund steht. Dies signalisiert er mit seinen Gleichnissen in seiner Lehre und dies fordert auch sein erstes Gebot oder sein Wunsch nach einer klaren Position des Menschen, in dem er empfiehlt: "Deine Rede sei ja oder nein". Auf seine Macht hat er am Kreuz verzichtet. Ein Opfer über das sich die Menschheit bisher wenig Gedanken machte. Die Apostolische Kirche hat mit Eucharistie und Opferkult die Menschen in eine Sackgasse geführt. In Vers 102 steht was Jesus über diese Lehrer dachte und wie er heute interpretiert werden könnte. (102) Jesus sprach: Wehe ihnen, den Pharisäern! denn sie gleichen einem Hunde, der auf der Krippe der Rinder schläft; denn weder isst er, noch lässt er die Rinder essen. Wieder ein Spruch, der nach Jahrtausenden immer noch seine Gültigkeit hat. Die Wächter der Religionen wachen penibel auf die Einhaltung ihrer Texte und Lehren. Selber sind sie nicht bereit ihre Lehre zu praktizieren und beispielhaft vorzuleben. Im Gegenteil, nehmen Bürger oder Bischöfe die Lehre zu buchstäblich und stellen durch ihre Handlung bestehende Religionsstrukturen infrage, dann wird ihnen das radikal verwehrt. An eine Veränderung der Lehre durch Laien, ist in den Kirchen gar nicht zu denken. Selbst Bischöfe werden vom Papst gerügt, im Episkopat an den Rand gedrückt, wenn sie glauben das Gebot der Nächstenliebe (im Kontext von Reich und Arm) all zu wörtlich einfordern zu müssen. Professoren wird der Lehrauftrag entzogen falls sie eigene Gedanken zur christlichen Lehre entwickeln. Ein Schriftgelehrter fragte Jesus: Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz? Jesus sprach zu ihm: „ Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte“ (5.Mose 6.5) Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. (3.Mose 19,18) In diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. Es ist erstaunlich wie wenig heutzutage in der Kirche mit diesen Basisgeboten, die im Prinzip alle 10 Gebote einbeziehen, diskutiert und gerungen wird. Wer die Weisheit des Schöpfers rühmen will, der staune, wie mit wenigen Worten und einem einfachen Prinzip eine Ordnungsstruktur für das gesamte Universum geschaffen werden konnte. Wenn sich zu wenige daran halten ist es noch lange nicht der Beweis für dessen Untauglichkeit. Es ist laut Jesus der Maßstab, mit dem die Entwicklung des Menschen gemessen wird. Die Liebe jedes einzelnen Menschen wird zeigen, wie weit er dem Vater ähnlich werden konnte. Meine Meinung, das Thomas Evangelium ist eine wahre Fundgrube für relativ unverfälschte Worte von Jesus. Viele Grüsse Rüdiger Schellberg
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